Netzfest Tag 2 – Kinderrechte und Klimaerwärmung

GREATA - Dank Greta von Thunberg wird die Jugend nicht angehört.

GREATA – Dank Greta von Thunberg wird die Jugend nun angehört.

Der zweite Tag des Netzfestes stand im Zeichen der Kinderrechte. Diese werden im November diesen Jahres 30 Jahre alt. Viele waren sich heute einig: Kinder und Jugendliche werden kaum gehört. Ihre Meinungen werden nicht ernst genommen. Die Jugendlichen von Fridays for Future, die heute auf dem Netzfest präsent waren, versuchen trotzdem Einfluss auf die Politik zu nehmen.

Heute ging es weniger digital zu auf dem Netzfest. Dafür war es wesentlich voller. Scheinbar hat mein Aufruf, das „digitale Volksfest“ im Park am Gleisdreieck zu besuchen, etwas bewirkt. Oder es lag am besseren Wetter.

Zentrales Thema waren heute die Kinder- und Jugendrechte, im analogen, wie im digitalen Raum. Die Stiftung „Digitale Chancen“ stellte heute in einer Podiumsdiskussion fest, dass 30 Jahren nach der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention Kinder und Jugendliche häufig ihre Rechte nicht kennen. In der Schule werden sie, wenn überhaupt, nur am Rand behandelt. Gebastelte Kinderrechte-Plakate werden in Schulen regelmäßig zu Staubfängern. Es gibt auch kein digitales Update der Kinderrechte. Dabei wäre vieles möglich: So könnte man Kindern und Jugendlichen verdeutlichen, dass Sie ein Recht auf Datenschutz haben. Aber auch ein Recht darauf, sich im Internet zu informieren und sich dort Gehör zu verschaffen.

Während die Erwachsenen auf der Bühne hin- und herdiskutierten, mischte sich David (12) ein. Er protestierte, dass Kinder nicht gehört werden. Häufig geht man mit ihnen rücksichtslos um. Das fängt auch bereits in der Schule an: Wenn z.B. Lehrkräfte sagen, dass alle Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben zuhause am PC ausdrucken sollen, so wird völlig übersehen, dass dies aus vielerlei Gründen nicht für alle Schüllerinnen und Schüler möglich ist: Einige Kids haben gar keinen PC. Andere keinen Drucker.

Aber David geht es nicht nur um rücksichtslose Lehrer. Er meint: 

Ich kritisiere sehr stark an der Politik, dass man als Kind sehr schlecht seine Meinung äußern kann. Zwar kann man sie auf öffentlichen Plattformen äußern, aber nicht als endgültige Stimme.

Und David will nicht nur angehört werden. Er will auch wählen gehen. Dass man erst mit 18 Jahren wählen gehen darf, findet er ungerecht:

Der Haupt-Kontrapunkt ist, dass man einfach vor 18 nicht wählen darf. Doch es macht einfach kein Sinn. Wenn man z.B. 17 Jahre alt ist und man einen Tag vor seinem Geburtstag ist, dann ist man einfach noch zu doof dafür oder lässt sich zu leicht manipulieren. Dann wird man einen Tag älter, dann ist man ab dem Tag nicht mehr zu doof dafür oder lässt sich nicht mehr manipulieren.

Das Argument, dass Kinder und Jugendliche zu wenig über Politik wissen und daher nicht wählen gehen sollten, lässt er nicht gelten:

Doch auch manche erwachsene Menschen haben einfach kein Plan und manche Kinder wissen super viel darüber. Erwachsene können auch ziemlich leicht manipuliert werden, z.B. durch öffentliche Plattformen wie YouTube.

Schließlich zeigt er auf, warum Kinder und Jugendliche wählen gehen sollten. Immerhin entscheidet die Politik über ihre Zukunft:

Das größte Problem daran ist, dass z.B. jetzt gerade die Klimaerwärmung stattfindet und alle Kinder, die es später erwischen wird, können gerade jetzt nicht darüber entscheiden und ihre Meinung äußern, für Sachen, die ihr restliches Leben verändern werden. Das ist einfach eine Unterdrückung der Meinungsfreiheit.

Was also tun? Die Lösung folgte auf dem Netfest im Talk danach: Die Jugendbewegung „Fridays for Future“ trägt ihre Stimme  -trotz allem – jeden Freitag auf die Straße. In einem eigenen Talk präsentierte sich die Bewegung und stellte fest:

Würden wir einfach am Samtag „streiken“, würde uns keiner beachten.

So greifen die Jugendlichen zu einem Trick: Sie schwänzen die Schule. Sie brechen Regeln, um Aufmerksamkeit zu generieren. Diese Aufmerksamkeit nutzen sie, um ihre Forderungen zu unterbreiten. Eigentlich sehr schlau. „Great“ könnte man sagen, wenn man englisch spricht. Oder besser: „Greata“.

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